Wenn Fachkräfte fehlen, wird Recruiting schnell zur akuten Aufgabe.
Stellen werden ausgeschrieben, Anzeigen geschaltet und vielleicht zusätzlich eine Recruiting-Kampagne gestartet. Trotzdem bleiben Bewerbungen aus oder erreichen nicht die Qualität, die das Unternehmen benötigt.
Das Problem beginnt jedoch häufig viel früher. Menschen entscheiden nicht erst beim Lesen einer Stellenanzeige, ob sie sich ein Unternehmen als Arbeitgeber vorstellen können. Sie bilden sich bereits vorher ein Bild davon, wer ein Unternehmen ist, wofür es steht und ob sie dort arbeiten möchten.
Ein potenzieller Mitarbeiter begegnet einem Unternehmen an vielen Stellen. Vielleicht kennt er die Produkte, sieht einen Social-Media-Beitrag, fährt täglich am Firmengebäude vorbei oder hört von einem Bekannten davon. Vielleicht sucht er irgendwann tatsächlich nach einem neuen Arbeitsplatz und erinnert sich an ein Unternehmen, das ihm bereits positiv aufgefallen ist.
Diese Wahrnehmung lässt sich nicht kurzfristig erzeugen. Sie entsteht durch viele einzelne Eindrücke, die zusammen ein Bild ergeben.
Deshalb ist Recruiting nicht nur eine Frage der Stellenanzeige. Es ist auch eine Frage der Arbeitgebermarke, der Sichtbarkeit und der Kommunikation.
Viele Unternehmen haben tatsächlich viel zu bieten: interessante Aufgaben, sichere Arbeitsplätze, gute Teams, Entwicklungsmöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, auf die sie stolz sein können. Nach außen wird davon allerdings häufig wenig sichtbar.
Stattdessen lesen potenzielle Bewerber austauschbare Formulierungen über ein „dynamisches Team“, „flache Hierarchien“ und „attraktive Benefits“. Solche Aussagen sagen wenig darüber aus, was einen Arbeitgeber tatsächlich besonders macht.
Gute Recruiting-Kommunikation beginnt deshalb nicht mit der Frage: „Wie schreiben wir diese Stelle möglichst attraktiv aus?“ Sie beginnt mit der Frage: „Warum sollte jemand gerade bei uns arbeiten wollen?“
Wer die richtigen Mitarbeiter gewinnen möchte, muss mehr bieten als eine gut formulierte Stellenanzeige. Entscheidend ist, wen ein Unternehmen erreichen möchte, welches Bild potenzielle Bewerber erhalten und ob der Arbeitgeber dort sichtbar ist, wo diese Menschen tatsächlich unterwegs sind.
Nicht jede Bewerbung ist eine gute Bewerbung. Entscheidend ist nicht allein die Anzahl der Interessenten, sondern ob die richtigen Menschen erreicht werden.
Dafür muss Kommunikation die tatsächliche Lebens- und Arbeitssituation der Zielgruppe berücksichtigen. Was ist Fachkräften wichtig? Welche Erwartungen haben sie an ihren Arbeitsplatz? Was unterscheidet Ihr Unternehmen von anderen Arbeitgebern in der Region oder Branche?
Je konkreter diese Fragen beantwortet werden, desto glaubwürdiger kann Recruiting-Kommunikation werden. Statt allgemeiner Versprechen entsteht ein realistisches Bild davon, was Mitarbeiter erwartet.
Eine gute Karrierewebsite beantwortet nicht nur die Frage, welche Stellen aktuell frei sind. Sie vermittelt ein Bild vom Unternehmen und schafft Vertrauen.
Wie wird gearbeitet? Welche Menschen arbeiten dort? Welche Aufgaben gibt es? Was erwartet neue Mitarbeiter? Welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen? Und warum sollte man sich die Zeit nehmen, gerade hier zu bewerben?
Damit wird die Karrierewebsite zu einem wichtigen Bestandteil der Arbeitgeberkommunikation. Sie arbeitet auch dann weiter, wenn gerade keine konkrete Recruiting-Kampagne läuft.
Wer neue Mitarbeiter gewinnen möchte, muss dort präsent sein, wo potenzielle Bewerber tatsächlich unterwegs sind. Das kann die eigene Website sein, können Suchmaschinen, soziale Netzwerke, regionale Medien oder gezielte Kampagnen sein.
Dabei sollte nicht jeder Kanal automatisch bespielt werden. Entscheidend ist, welche Zielgruppen erreicht werden sollen und welche Form der Kommunikation zu ihnen passt.
Recruiting wird dadurch planbarer. Statt bei jeder offenen Stelle wieder bei null zu beginnen, entsteht Schritt für Schritt eine größere Bekanntheit als Arbeitgeber.
Viele Unternehmen investieren besonders dann in Recruiting, wenn eine Stelle dringend besetzt werden muss. Genau dann ist der Zeitdruck am größten – und gute Kandidaten sind nicht plötzlich verfügbar, nur weil ein Unternehmen sie benötigt.
Wer kontinuierlich als Arbeitgeber sichtbar bleibt, schafft dagegen einen Pool aus Aufmerksamkeit und Vertrauen. Die konkrete Bewerbung kann später kommen. Die Entscheidung, ob ein Unternehmen grundsätzlich interessant ist, fällt oft viel früher.
Bevor Sie die nächste Stellenanzeige veröffentlichen, lohnt sich ein Blick auf die gesamte Candidate Journey. Wie wird Ihr Unternehmen als Arbeitgeber wahrgenommen? Was finden Bewerber über Sie? Ist auf Ihrer Website schnell erkennbar, warum man bei Ihnen arbeiten sollte? Und unterscheidet sich Ihre Kommunikation tatsächlich von anderen Arbeitgebern?
Die Antworten zeigen, ob das Problem tatsächlich bei der Reichweite liegt – oder vielleicht bei der Arbeitgeberpositionierung und Kommunikation.
In unseren Beiträgen beschäftigen wir uns unter anderem mit der Frage, warum Recruiting unter Zeitdruck besonders teuer wird, wie Arbeitgebermarken entstehen und warum Sichtbarkeit für die Mitarbeitersuche lange vor einer konkreten Bewerbung beginnt.
Wir verbinden Arbeitgeberpositionierung, Karrierekommunikation, digitale Präsenz und Recruiting-Kampagnen zu einem Konzept, das zu Ihrem Unternehmen und Ihren Zielgruppen passt.
Dabei geht es nicht darum, möglichst laut um Bewerber zu werben. Es geht darum, ein Arbeitgeberbild aufzubauen, das die richtigen Menschen erreicht und überzeugt.